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wp-frauen-invertEin aufrechtes Ja zum Nein

ALMA KETTIG
(5.1.1915 ~ 5.8.1997 in Wuppertal)

Sie besucht eine freie Schule, geht zur Jugendweihe, erlernt einen kaufmännischen Beruf. Früh schon stehen die Kettigs aktiv gegen die braune Gefahr an, wenngleich Faschismus und Krieg auch in der eigenen Familie schmerzhafte Spuren hinterlassen.

Das SPD-Parteibuch in der Tasche, reorganisiert Alma Kettig nach Kriegsende die Volksfürsorge, wird 1945 Frauenreferentin in Recklinghausen, 1946 Mitglied im Bezirksausschuss der Jusos und im Bezirksfrauenausschuss der IG Chemie, Papier, Keramik. “Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus“ – diesem Motto folgt die Wittener Stadträtin konsequent in den Kinderjahren einer Republik der Wiederbewaffnung. Sagt auch ab 1953 als SPD-Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Bocholt/ Borken-Ahaus immer wieder NEIN und ist eine der 19 SozialdemokratInnen, die am 6. März 1956 gegen die Grundgesetz-Ergänzung zur Remilitarisierung aufstehen.

Wiedergewählt 1957, stimmt Kettig gegen Notstandsgesetze und Verteidigungsetat – und verlässt nach heftigen Diffamierungen kurz vor Ende der Legislaturperiode 1965 den Bundestag. Ohne finanzielle Absicherung. Arbeitet im Großhandel und als Journalistin. Und engagiert sich weiter: In der Westdeutschen Frauenfriedensbewegung der frühen 70er Jahre wie in der Demokratischen Fraueninitiative, die sie 1976 mit begründet (sie arbeitet in der Bundesgeschäftsstelle mit und schreibt für Wir Frauen), und beim Deutschen Freidenkerverband, dessen 2. Vorsitzende sie seit 1983 ist.

Der pazifistischen Überzeugung bleibt das unbequeme SPD-Mitglied lebenslang treu. Mischt sich überall ein als überzeugte Demokratin und Verteidigerin von Frauenrechten. Bis eine schwere Erkrankung ihr auch die letzte Kraft raubt.

Ulrike Müller in der Zeitschrift Wir Frauen 3/2015

Der Artikel wurde von der freundlichen Redaktion zur Verfügung gestellt.
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